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Heiko Idensen, Matthias Kron: Die imaginäre Bibliothek
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Nach verschiedenen Experimenten mit kooperativen Schreibprojekten, Literatur- und Zitatdatenbanken, Festivalzeitungen auf Medienfestivals präsentierten Idensen und Krohn die "Imaginäre Bibliothek" ursprünglich als eine Installation auf der ARS ELECTRONICA 1990 in Linz. Impulse für die Arbeit lieferten Autoren wie Jorge Luis Borges, Umberto Eco und Michel Foucault mit ihren Ideen nach einer "offenen Bibliothek", in der Texte, losgelöst von Autor und Entstehungskontext, frei zirkulieren können und beliebig miteinander assoziierbar und vernetzbar sind. Die "Imaginäre Bibliothek" vereinigt elektronische Texte, Bilder und Grafiken: "Lieblingsstellen und Szenen der >Weltliteratur< werden dem umherschweifenden Leser als Textadventure, Rollenspiel, Filmscript, Gebrauchsanweisung - kurz als Material für Sprachspiele und Spielzüge präsentiert mit dem Ziel, daß Leser und Leserin - völlig übermüdet und verirrt im Labyrinth literarischer Verweise - zwischen den Zeilen anfangen, selbst etwas zu kombinieren, weiterzuschreiben, zusammenzusetzen." (Idensen/Krohn)
Das Textlabyrinth sollte dabei zum damaligen Motto der ARS ELECTRONICA "Virtuelle Welten-Digitale Träume" einen Gegenpol zu der Vorherrschaft der zumeist visuell orientierten Virtual-Reality-Technologien schaffen. Im Rahmen des Medienfestivals war die "Imaginäre Bibliothek" auf zwei Computern installiert, plaziert innerhalb eines Rundbaus inmitten von präsentierten Büchern und Buch-Objekten, wobei zwei Drucker im Hintergrund permanent die Lese-Touren der Benutzer ausdruckten. Diese Endlos-Ausdrucke wurden zu Buch-Rollen gewickelt, die auf diese Weise den Bestand der imaginären Bibliothek sichtlich durch die unentwegte Produktion der Leser vergrößern.
Erst 1994 entstand die hier zugängliche Hypertext-Version der "imaginären Bibliothek". Die Texte bilden dabei eine komplexe Matrix, durch die der Leser sich horizontal oder vertikal fortbewegen kann. Die imaginäre Bibliothek gibt somit keine lineare Ordnung ihres Inhaltes vor, eine Strukturierung erfährt das Material durch die Bewegungen und Leseerfahrungen der Lesers - im Sinne des postmodernen Verständnisses von der aktiven Rolle des Lesers - selbst. "Das Ziel der Anwendung ist es", so schreiben die Autoren, "durch verzweigtes assoziatives Lesen und Navigieren den Benutzer in ein Netzwerk aus Texten zu verstricken und somit eine Beteiligung des Lesers an dem Imaginationraum Bibliothek zu simulieren. Die "Imaginäre Bibliothek" könnte auf spielerische, ironische Art und Weise in die neuen Kulturtechniken, die neuen Formen des Lesens und Schreibens in digitalen Umgebungen, einführen und dazu anstiften, literarische Modelle und Verfahrensweisen auf Hypertext-Produktion und Rezeption zu übertragen."
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