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Einführung 2
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Die ersten literarischen Arbeiten mit den Rechneranlagen waren geknüpft an eine überschaubare literarische Avantgarde, die sich einem spielerischen, nicht-erzählerischen und auf die Materialität der Sprache orienterten Umgang mit Sprache verschrieben hatte. Ein größeres Publikum fand sich dafür nicht; gleichzeitig boten Fernseh- und Ton- bzw. Rundfunktechnik erheblich größeren Spielraum für künstlerische Experimente. Dies sollte sich erst mit der Einführung des PCs, des Personal Computers, vor knapp 20 Jahren ändern, der die Computerliteratur über die Experimentalphase hinweg für einen größeren Kreis hat interessant werden lassen. Das Internet revolutionierte später nicht nur die Verbreitungsmöglichkeiten; mit der technischen Verbesserung der Computer war die Grundlage geschaffen für multimediale Erzählformen, die neben Text auch bewegte Bilder und Ton beinhalteten. Der Computer bot nun die Verknüpfung verschiedener ästhetischer Ausdrucksformen auf einer interaktiven und vernetzten Plattform - der Beginn einer hybriden Netzliteratur, für die es bislang keine etablierten Begriffs- oder Genredefinitionen gibt.
Die meiste im Internet abrufbare Literatur ist in einem traditionellen Schreibprozess entstanden - Printtexte in digitalisierter Form. Selbst die dem Computer zugeschriebene Cut & Paste-Technik - ausschneiden und wieder zusammenfügen - hat ihre Vorbilder in der traditionellen, "analogen" Montage der zwanziger Jahre, und Hypertext, also die Verbindung von Textfragmenten durch eine frei wählbare Verknüpfungen gibt es auch in Papierform, ebenso eine multimediale Verknüpfung von Text und Bild. Was aber kennzeichnet im Gegensatz dazu eine originäre "digitale Literatur", auch Netzliteratur oder Internet-Literatur genannt, die produktiv die besonderen Möglichkeiten des Computers und des Internets ausnutzt? Das qualitativ Neue der Computerliteratur entsteht zum einen, wenn literarische Texte mit Programmelementen versehen werden, um visuelle Bewegung oder mimetische Effekte zu erzeugen. Als digitale Rechenmaschine stellt der Computer eine Technik der Informationsverarbeitung dar, die für Bearbeitung der verschiedenen semiotische Systeme, ob Schrift, Bild oder Ton, gleichermaßen geeignet ist. Insofern ist eine Aufhebung der Grenzen zwischen Bild, Literatur und Musik bereits im Medium angelegt und immer komplexer werdende Hypertext-Arbeiten schöpfen diese Möglichkeiten durch die Verbindung von Text, Ton und Bild zunehmend aus. Prädestiniert sind Computer aber auch zur Generierung kombinatorischer Literatur, d. h. der Rekombination von Textelementen nach einem vorher bestimmbaren oder auch aleatorischen, zufallsgesteuerten Prinzip, wie Florian Cramer es auf seiner Homepage Permutationen umgesetzt hat.
Hypertext ist eine Textform, deren Elemente durch Hyperlinks verbunden sind. Üblicherweise bewegt sich der Leser per Mausklick in der aus mehreren Ebenen und Teilen bestehenden Textstruktur. Gegenüber einem linearen, im Buchdruck herkömmlichen Text ermöglicht Hypertext eine komplexe Anordnung von Textelementen, deren Verknüpfung frei definiert werden kann. Die Verbindung der Textelemente (dies können auch Bilder, Animationen oder Töne sein) von Hyperlinks ermöglicht dem Autor die Setzung von Textanschlüssen, die sehr vielfältig genutzt werden kann.
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