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Anmerkungen
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Beat Suter und Michael Böhler
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Die beiden Autoren sind Herausgeber des als Einführung empfehlenswerten Bandes "Hyperfiction". Hier vertreten sie die These einer qualitativ neuen Entwicklung durch Hypertext-Literatur:
"Ist es die Avantgarde einer Literatur von morgen, die sich nun auch die Computertechnik zu Nutze macht und, wie Avantgarden dies schon immer taten, nach Erweiterungsmöglichkeiten literarischer Gestaltungs- und Ausdrucksformen mit neuen Mitteln sucht? - Ist es die Arrièregarde der Literatur von gestern, die längst bekannte und erprobte Sprach- und Textspiele epigonal im neuen Medium reproduziert und dabei künstlerischen Neuheitswert reklamiert? [...] Freilich ist nicht auszuschliessen, dass bereits die Frage nach dem Neuheitsgrad und dem Avantgardecharakter dieser Literatur der Sache nicht mehr gemäss sein könnte. [...] Indessen zeigt sich möglicherweise gerade an den literarischen Formen der Internetliteratur und der Hyperfiction besonders deutlich jene Entwicklungstendenz der »kulturellen Segmentierung« und der »Entvertikalisierung der Alltagsästhetik«, die Gerhard Schulze in seiner Kultursoziologie der Gegenwart diagnostiziert hat, der Tatbestand nämlich, dass die Gegenwartskultur in unterschiedlichste Kulturmilieus zerfällt, die nicht nur nicht mehr hierarchisch aufeinander bezogen sind und deren Produktionen damit auch nicht mehr in ihrem Verhältnis zu andern Kulturprodukten als mehr oder weniger neu bzw. avanciert beurteilbar sind, sondern die weitgehend losgelöst voneinander ihre je eigenen kontingenten Ästhetiken und Geschmackskulturen pflegen und entwickeln. Das heisst dann aber auch, dass eine neue, avantgardistische Kunstpraxis nicht mehr notwendigerweise in ein bestehendes Kulturmilieu integriert wird als deren »Neues«, sondern dass sie ein neues Kulturmilieu bildet. Trifft dies zu, so wäre Internetliteratur als Literaturpraxis und Kulturmilieu sui generis zu betrachten und nicht als Fortschreibung eines Alten mit neuen Mitteln."
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Vannevar Bush
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Der online abrufbare Artikel As we may think erschien 1945 in der Zeitschrift Atlantic Monthly. Einer gekürzten Übersetzung mit Kommentaren von Hartmut Winkler sind folgende Ausschnitte entnommen:
"Es gibt einen wachsenden Berg von Forschungen. Aber gleichzeitig wird zunehmend klar, daß wir uns in einer immer stärkeren Spezialisierung festfahren. [...] Das wahre Problem bei der Auswahl (Datenselektion) liegt allerdings tiefer und ist nicht nur durch die mangelnde Anwendung von Hilfsmitteln in den Bibliotheken oder die schleppende Entwicklung solcher Werkzeuge bedingt. Es ist vor allem die Künstlichkeit der Indizierungssysteme, die es erschwert, Zugang zu den Aufzeichnungen zu bekommen. [...] Der menschliche Geist arbeitet anders, nämlich mittels Assoziation. Kaum hat er sich eine Information beschafft, greift er schon auf die nächste zu, die durch Gedankenassoziation nahegelegt wird, entsprechend einem komplizierten Gewebe von Pfaden, das über die Hirnzellen verläuft. Selbstverständlich hat der menschliche Geist auch noch andere Eigenschaften: Pfade, denen man selten folgt, neigen dazu zu verblassen, Informationen sind nicht vollständig dauerhaft, Erinnerungen sind flüchtig. [...] Die Auswahl durch Assoziation - und nicht durch Indizierung - müßte hierzu mechanisiert werden. [...] Stellen Sie sich ein künftiges Arbeitsgerät zum persönlichen Gebrauch vor, das eine Art mechanisierte privates Archiv oder Bibliothek darstellt.
Es braucht einen Namen, und ich denke, fürs erste wird 'Memex' genügen. Ein Memex ist ein Gerät, in dem ein Individuum all seine Bücher, Akten und seine gesamte Kommunikation speichert und das so konstruiert ist, daß es mit außerordentlicher Geschwindigkeit und Flexibilität benutzt werden kann. Es stellt eine vergrößerte persönliche Ergänzung zum Gedächtnis dar. Der Memex besteht aus einem Schreibtisch, und obwohl er auch aus einer gewissen Entfernung bedient werden kann, arbeitet der Benutzer vor allem direkt an diesem Möbelstück. Oben befinden sich schräge durchscheinende Schirme, auf die das Material bequem lesbar projiziert werden kann. Es gibt eine Tastatur und eine Reihe von Knöpfen und Hebeln. Ansonsten sieht es wie ein gewöhnlicher Schreibtisch aus. Auf einer Seite befindet sich das gespeicherte Material. Das Problem der Masse wird durch einen weiterentwickelten Mikrofilm gelöst. [...] Der größte Teil des Memex-Inhalts kann bereits fertig auf Mikrofilm erworben werden. Bücher jeder Art, Bilder, aktuelle Periodica, Zeitungen, alles wird in dieser Form erworben und gespeichert. Die geschäftliche Korrespondenz nimmt denselben Weg. Und es gibt die Möglichkeit zur direkten Eingabe. Auf der Oberfläche des Memex befindet sich eine transparente Fläche. Hier können handschriftliche Notizen, Photographien, Memoranden, alles Mögliche aufgelegt werden.
Wenn dies geschehen ist, wird durch Hebeldruck eine Photographie angefertigt, die auf dem nächsten leeren Segment des Memex- Films erscheint; dabei kommt das Verfahren der Trockenphotographie zum Einsatz. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, mit Hilfe der üblichen Indizierungssysteme auf das Archiv zuzugreifen. Wenn der Benutzer ein bestimmtes Buch zu Rate ziehen will, gibt er den Code über die Tastatur ein, und sofort erscheint die Titelseite des Buchs vor ihm, projiziert auf einen der Sichtschirme. [...] Es braucht jedoch noch einen weiteren Schritt zur assoziativen Indizierung. Deren grundlegender Gedanke ist ein Verfahren, von jeder beliebigen Information - sei es Buch, Artikel, Fotografie, Notiz - sofort und automatisch auf eine andere zu verweisen. Dies ist es, was den Memex wirklich ausmacht: Es ist ein Vorgang, der zwei Informationen miteinander verbindet. Das ist das Kernstück. [...] Ganz neue Arten von Enzyklopädien werden entstehen, bereits versehen mit einem Netz assoziativer Pfade, bereit, in den Memex eingebaut und dort erweitert zu werden."
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Reinhold Grether
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Reinhold Grether ist Literaturwissenschaftler und Publizist, u.a. des Hypertexts Die Weltrevolution nach Villem Flusser.
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Dirk Schröder
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Dirk Schröder ist freier Autor und Medienpädagogikdozent. In dem Band "Hyperfiction" veröffentlichte er den Artikel Der Link als Herme und Seitensprung. Überlegungen zur Komposition von Webfiction Er ist Mitglied des Vorstandes des Forums für digitale Literatur e.V. und betreibt die Webseite Textgalerie.
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Bernd Wingert
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Bernd Wingert arbeitet für das Institut für Technikfolgenabschätzung in Karlsruhe und beschäftigt sich seit den achtziger Jahren mit Hypertext und in den letzten Jahren zunehmend mit Leseanalysen literarischer Hypertexte.
Zu seinen Veröffentlichungen zählen: "Elektronisches Publizieren. Eine kritische Bestandsaufname. Berlin, Heidelberg 1992", "Multimedia. Mythen, Chancen, Herausforderungen. Mannheim 1995" und Der Leser im Hypertext. Im Weinberg oder im Steinbruch?.
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