Im Mittelpunkt: ein absurder Dialog von zwei "Daemons", zwei Computerprogrammen in einem Wirtshaus. Hinzu kommen ein sprechender Schrank und ein sterbender Revoluzzer. Die Bühne für den Dialog der Akteure sind gezeichnet mit ASCII-Zeichen, Reminiszenzen an die erste Computerkunst vor der Entwicklung grafischer Oberflächen. Der Buchstabe - als sprachliches Zeichen hier bedeutungslos - wird stattdessen zum grafischen Element. Die absurde Szene endet mit einer Schlägerei, dargestellt durch die strichartigen ASCII-Zeichnungen. Die Wirtshaus-Szene steht im Mittelpunkt dieser einfach strukturierten, linear erzählten Hypertext-Arbeit. "Der Schrank. Die Schranke." spielt davon ausgehend mit irreführenden Links, Gedichten mit rekombinierten Buchstaben- oder Wortfolgen, und der mimetische Gestaltung von Linkverbindungen (z.B. führt der Link "Leere" in eine leere schwarze Seite). Diese stehen selten in Zusammenhang mit dem Haupttext, verwenden aber Elemente aus dem Computerjargon oder Programmiersprachen, verwerten also durch das Medium anfallendes sprachliches Material in literarischer Form.
"Der Schrank. Die Schranke" gewann den ersten Preis des Internet-Literaturwettbewerbes von der "Zeit" und "IBM" im Jahr 1996. Martina Kieninger, geboren 1966, arbeitet als Chemikerin und ist Mitinitiatorin des Projektes TanGo. Weitere Computerliteratur und ASCII-Experimente finden sich auf ihrer Seite wanzntanzn: aus farende papire fon knabe wondertyte.
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